Freitag, 6. April 2012

Durch das Outback zum Kings Canyon

Am nächsten Morgen ging es dann über den Stuart Highway von Alice Springs zum Kings Canyon im Watarrka Nationalpark. Als wir Alice Springs verließen, war es ziemlich bewölkt und es hatte sich im Vergleich zum Vortag merklich abgekühlt auf angenehme Temperaturen in den niedrigen Zwanzigern.
Vor uns lagen mehr als 400 Kilometer durch das Outback Australiens. Obwohl der Stuart Highway die einzige asphaltierte Fernverkehrsstraße ist, kommt es vor, dass man hier für lange Zeit nur die weite Prärie vor sich sieht. Von "Osterreiseverkehr" war an diesem Karfreitag also keine Spur und es machte Spaß, ganz entspannt über den Highway zu cruisen. Rechts und links der Straße war viel Busch und auch Grün zu sehen. Eigentlich hatte ich im Zentrum des sogenannten "roten Kontinents" viel mehr Dürre und orange-rote Erde erwartet und war daher positiv überrascht.
Auf der Strecke passierten wir die Gedenkstätte der bei einem Cannonball Rennen im Jahr 1994 verstorbenen Streckenposten und Fahrer. Des Weiteren legten wir noch einen Zwischenstopp an einer Tankstelle ein, wo wir ein zu einem Wohnmobil umgebautes Feuerwehrfahrzeug sahen (Gruß an die Freunde der Freiwilligen Feuerwehr). Andere mehr oder weniger touristische Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke, wie etwa einen Meteoritenkrater, hätte man allerdings nur mit einem Allradfahrzeug erreichen können.
Kurz nach Mittag bezogen wir dann das Kings Canyon Resort und machten uns nach kurzer Stärkung auf den Weg in den Nationalpark, um dort am Nachmittag den 2,6 km langen Kings Creek Walk am Fuße der Schlucht zu machen. Mit der Sonne kamen hier auch wieder die Fliegen, zum Glück hatten wir uns in Alice Springs Fliegennetze zugelegt. Die Felswände des Kings Canyon bestehen aus rotem und gelbem bis weißem Sandstein, deren Farbgebung aus Eisenoxiden resultiert. Die Wände des Canyons sind teilweise über 300 m hoch, so dass man sich als Mensch doch recht klein in dieser Umgebung fühlt. 
Am Abend besuchten wir in der Nähe unserer Unterkunft eine Outback Bar, wo ein BBQ angeboten wurde. Zwar waren die Preise an diesem abgeschiedenen Ort schon ganz schön heftig, dafür gab es dann aber auch einen sehr leckeren Grillteller mit Fleisch nach Wahl, Pellkartoffeln, Mais und Salaten. Dazu wurde Unterhaltungsmusik dargeboten.

Am nächsten Morgen war frühes Aufstehen angesagt, da ich mit meinem Vater den 6km langen Kings Canyon Rim Walk, welcher nach einem anfänglich etwas steilen Aufstieg über das Plateau einmal rund um den Canyon herumführt, unternehmen wollte. Auf dem Weg genossen wir den Ausblick über die Schlucht und nahmen die unterschiedlichen Strukturen, Farben und Zeichnungen dieser Sandsteinlandschaft wahr. Stellenweise gab es stark kleinteilig zerklüftete Stellen, während die Felswände anderenorts wie glatt geschmirgelt aussahen. Stellenweise kam ich mir hier wie auf einem anderen Planeten vor. 


Nach der Hälfte des Pfads stiegen wir Treppen hinab und eine Holzbrücke führte über ein Wasserloch, welches wegen seiner Flora und Fauna als Garten Eden bezeichnet wird. Im Canyon haben sich einige in Australien seltene subtropische Pflanzen, wie zum Beispiel die Palmfarne, in Schutzräumen erhalten. Danach ging es wieder hoch auf das Plateau an an die andere Seite des Canyons von wo aus sich ein toller Ausblick auf die riesen Felswand im Sonnenschein bot. Ein langsamer Abstieg führte uns nach weniger als drei Stunden wieder an den Ausgangspunkt unserer Wanderung.


Nachdem ich die Fotos noch einmal gesehen habe, muss ich sagen, dass dem Kings Canyon viel zu wenig Bedeutung geschenkt wird. Trotz oder gerade wegen seiner Abgeschiedenheit ist der Watarrka Nationalpark etwas abseits der Touristenströme zwischen Alice Springs und Uluru definitiv einen Abstecher wert. Wir hatten an den Steinlandschaften gefallen gefunden und begaben uns jetzt auf den Weg zum Uluru, dem heiligen Berg der Aborigines, sowie zu den Olgas...

Donnerstag, 5. April 2012

Outback-Stadt Alice Springs

Am Donnerstag flogen wir dann weiter von Cairns nach Alice Springs, in die australische Outbackstadt im Northern Territory.

Mit etwas mehr als 22.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt nahe des geographischen Zentrums Australiens und liegt über 1.500 Kilometer von allen anderen großen Städten entfernt. Alice Springs wurde 1872 im Zuge des Baus der transaustralischen Telegraphenleitung gegründet und ist heute für viele Reisende der Ausgangspunkt für Touren durch das rote Zentrum. Das Gebiet um Alice war ursprünglich von den Aboriginestämmen der Aruntas, der Gurindgi und Pintjantjara bewohnt, deren Nachkommen nun in der Stadt und umliegenden Gebieten wohnen.
Die Zeitdifferenz zu Cairns und auch Sydney betrug zu unserer Reisezeit nur eine halbe Stunde und doch fanden wir uns schon in einer etwas anderen Klimazone wieder. Mit Temperaturen bis zu 45 Grad kann es im Hochsommer im Outback richtig heiß werden, jedoch sind die Niederschläge zu dieser Zeit auch am höchsten, wenn die Monsunausläufer von Darwin aus über das Land ziehen. Der April ist der Beginn der besten Reisezeit, in der es weniger drückend warm und feucht ist.

Nach unserer Ankunft nahmen wir am Flughafen unseren Mietwagen Toyota Corolla bei Hertz entgegen und waren bei 38 Grad zur Mittagszeit sehr dankbar über die funktionstüchtige Klimaanlage. Nachdem wir in der Heavitree Gap Outback Lodge eingecheckt hatten, fuhren wir zum Anzac Hill, von wo aus man eine gute Aussicht auf die Stadt und die MacDonnel Ranges hat, die dort wo sie von Westen und Osten aufeinander treffen das sogenannte Gap bilden.
Nach einem Besuch der Todd Mall mit interessanten Aboriginal Kunstgalarien, deckten wir uns mit den nötigen Lebensmitteln ein, bevor es am nächsten Tag weiter in den "Busch" gehen sollte. Beim Woolworth gab es die folgende Wandmalerei zu sehen, die die Geschichte der Stadt vom Bau der Telegraphenstation, den Royal Flying Doctors Services sowie der Ankunft des Ghan Zugs bildlich darstellt.
Am Abend kamen an unsere Unterkunft noch Rock Wallabies, die handzahm waren und sich von uns gerne füttern ließen, und auch ein großes graues Känguru bekamen wir dort noch zu sehen. Auch während der Nacht hatten wir tierischen Besuch in unserem Zimmer. Am nächsten Morgen klebte ein kleiner Gecko an der Zimmerdecke.  

Mittwoch, 4. April 2012

Schnorcheln am Great Barrier Reef

Dass ich irgendwann einmal an das Naturwunder Great Barrier Reef zurückkehren werde, hatte ich mir nach meinem ersten Abschied aus Australien fest vorgenommen. Endlich war der Tag gekommen, auf den ich lange gewartet hatte.

Zu Weihnachten hatte ich meinen Eltern symbolisch ein Schnorchelset für diesen Ausflug geschenkt. Nach einer ersten Übung am Shelly Beach in Manly in der vergangenen Woche, hatte ich für uns Reef Magic Cruise als passenden Anbieter für diesen Tag herausgesucht. Reef Magic Cruise betreibt die Marine World Platform am Moore Reef, das zum Outer Reef gehört, wo wegen seiner Distanz zu Flusszuläufen und Sandstränden eine bessere Sicht herrscht und an das auch weniger Touristen fahren, so dass die Korallen hier besser erhalten sein sollen.
Ich hatte mich für diesen Anbieter entschieden, da er für meine Eltern während des fünfstündigen Aufenthalts neben dem Schnorcheln auch einige andere Aktivitäten anbot, um das Great Barrier Reef trocken und entspannt auf einem Glasbodenboot sowie in einem Halb-U-Boot, bei dem man unter der Wasseroberfläche sitzt, zu erleben und es auch deutsche Crew-Mitglieder gab. Im Nachhinein stellte sich dies als eine gute Wahl heraus.
Die 45-minütige Fahrt auf dem Katamaran war wie eine Verkaufsveranstaltung während der allerlei Aktivitäten, von geführten Schnorcheltouren, über Tauchgänge und Helmtauchen bis zu Helikopterrundflügen angeboten wurden. Die Crew-Mitglieder nahmen sich auch Zeit, währenddessen offene Fragen der Passagiere zu beantworten. Häufiger erkundigten sich Passagiere danach, ob es denn hier auch Haie gäbe, was bejaht wurde, da wir uns in ihren natürlichen Lebensraum begaben. Auf die Frage eines Passagiers, was der Guide machen würde, wenn er einem dieser Haie begegnet, meinte dieser trocken, dass er dann ein Foto schießen würde. Dabei muss man wissen, dass die häufiger vorkommenden Riffhaie vollkommen ungefährlich sind. 

Die Bedingungen an diesem Tag waren optimal: ruhiges Meer und strahlender Sonnenschein! Als wir auf der Plattform ankamen, nahmen wir sogleich an einer Galsbodenboot Tour für deutschsprachige Gäste teil. Hierbei bekamen wir schon einen Eindruck von der Größe und Vielfältigkeit des Riffs. Danach hielt mich nichts mehr auf der Platform und ich sprang sofort in das angenehm warme Meer, um bunte Fische und das Riff aus der Nähe zu sehen und durch Fischschwärme zu schwimmen. Es war wieder ein wahnsinnig tolles Erlebnis und ich kam aus dem Staunen nicht raus. Beim Schnorcheln, wenn man nur seinen eigenen Atemumzug hört, kann ich so richtig abschalten.
Nachdem meine Eltern von einer weiteren Bootstour zurück kamen und nach dem ersten großen Andrang dann auch wieder weniger Schwimmer im Wasser waren, statteten sie sich mit einem Stinger Suit, Schnorchel, Brille, Flossen und Schwimmnudel aus und kamen mit ins Wasser. Für beide war es erst das zweite mal, dass sie Schnorcheln gingen und das dann gleich an so einem Ort. Mein Vater hatte es direkt wieder raus und schnorchelte sofort drauf los. Für meine Mutter, war es eine kleine Überwindung, da sie sonst schon scheut ins Wasser zu gehen, wenn sie den Boden nicht sehen kann. Die Schwimmnudel und perfekte Sichtverhältnisse bis zum Boden erleichterten es ihr aber mit uns rauszuschwimmen. Beide waren fasziniert, von dem was die Natur hier zu bieten hatte.
Nach etwa zwei Stunden kam ich gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser, bevor das Lunch abgeräumt wurde. Zur Erholung fuhr ich mit meinen Eltern mit dem Halb-U-Boot, wo uns gesagt wurde, dass zuvor eine Schildkröte im Revier gesichtet worden sei. Zurück auf der Platform machte ich mich noch einmal startklar für einen weiteren Schnorchelgang und schwamm so mutterseelenallein an der äußeren Ecke des Riffs, als die große und vermutlich sehr alte Schildkröte unter mir auftauchte. Sie schwamm total entspannt und ruhig und schien entweder gar nicht zu bemerken, dass ich mit genügend Abstand ihre Verfolgung aufnahm, oder war davon ziemlich unbeeindruckt. Sie tauchte einmal auf, um Luft zu schnappen und sich umzusehen und ging dann am Boden des Riffs fressen. Ich war so froh, nochmal ins Wasser gesprungen zu sein, um dies zu sehen.
Nach diesem unvergesslichen Erlebnis hieß es dann Abschied nehmen und auch jetzt bin ich mir sicher, hier hoffentlich nicht das letzte mal gewesen zu sein. Wieder zurück an Land hatte Susanne uns zum australischen BBQ mit Jack und ihrem Sohn Robin zu sich nach Hause eingeladen. Natürlich hatten wir uns noch viel zu erzählen, über das Leben in der alten und neuen Heimat sowie von den Erlebnissen der vergangen Tage im tropischen Cairns.

Hätten wir bei der Planung unseres Urlaubs gewusst, dass ich nach meiner Kündigung während des kompletten Aufenthalts meiner Eltern frei gehabt habe, hätten wir gerne noch ein paar Tage drangehangen. So erwartete uns am nächsten Tag bereits in Alice Springs das rote Zentrum Australiens.

Dienstag, 3. April 2012

Cairns: Wo der Regenwald auf das Reef trifft


Am Montag begann der erste Teil unseres Urlaubs außerhalb Sydney mit einem etwa 3-stündigen Flug von Sydney nach Cairns. Schon beim Anflug auf das tropische Paradies im Norden des Bundesstaates Queensland wurde der Slogan der Tourismus Destination North Queensland "Where the rainforest meets the reef" bestätigt.
Nach der Ankunft wurden wir am Flughafen herzlich von unserer ehemaligen Nachbarin Susanne aus Waldenrath willkommen geheißen, die uns mit ihrem Pickup zunächst zu ihrem neuen Haus und nach einer Hausführung sowie einigem Geklöne bei Kaffee und Kuchen dann später zu unserer Unterkunft Bay Village Tropical Retreat fuhr.
Cairns ist eine kleine, überschaubare Stadt, deren touristische Highlights - der Daintree Rainforest im Norden sowie das Great Barrier Reef - weiter außerhalb liegen. Für die nächsten Tage waren die Wetterbedingungen für Ausflüge hervorragend: Sonnenschein und tagsüber Temperaturen um die 30 Grad. 

Da die Bedingungen auf dem Wasser am Mittwoch noch besser sein sollten, buchten wir uns für Dienstag erst einmal einen Mietwagen, um zum Cape Tribulation zu fahren und dort den Regenwald zu erkunden. Nach kurzem Zwischenstop am Rex Lookout und in Port Douglas fuhren wir weiter auf der beeindruckenden, immer kurvenreicher werdenden Küstenstraße in den dichter bewachsenen Regenwald hinein bis wir an der Landzunge Cape Tribulation angelangt waren, die den nördlichsten Punkt bildet, den man über geteerte Straßen ohne 4 WD Fahrzeug erreichen kann. Vom Strand, an dem man wegen Krokodilen und Yellyfischen besser nicht schwimmen gehen sollte, ging es dann auf zwei gut präparierte Wanderwege durch die dichte, grüne Vegetation des tropischen Daintree Rainforests, die bei den tropischen Temperaturen Schatten spendete.
 
Auf dem Rückweg unternahmen wir einen etwa einstündigen River Curise auf dem Daintree River, währenddessen uns vom geschulten Führer lokale Tiere gezeigt wurden. Neben grünen Fröschen, Schlangen sowie bunten Vögeln, war dies das Revier mehrerer bis zu 7 Meter langen Salzwasserkrokodile, die wir hier in ihrer natürlichen Umgebung beobachten konnten. Interessanterweise sind die Krokodile wohl doch ziemlich "berechenbar" und häufig an bestimmten Orten anzutreffen. Die Krokodile konnten daher auch einfach von dem Führer identifiziert und teilweise mit ihren Namen benannt werden. Am Ende unserer Fahrt hatten wir das Glück, noch ein ganz großes Exemplar zu sehen, dass sich vor dem Sonnenuntergang am Spätnachmittag noch in der Sonne wärmte und uns dabei seinen bissstarken Kiefer präsentierte.
Nach einem kurzen Stop am Mosman Gorge, wo ich vor vier Jahren noch mit Robert, Michi, Thomas und Oyvind schwimmen war, ging es dann zurück zum Abendessen in die Stadt. Am nächsten Tag wartete das nächste Highlight auf uns...